Ein Haus in der Sonne

(Aus dem Niederländischen übersetzt von Stefan Wieczorek)

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Hochstehende Sonne, warme Café-Terrassen. Mittagszeit.
Dickkopfmöwen am Dachfirst. Mittagszeit.
Wie ein Schatten, der als milchweiße Linie
über die Gebäude läuft. Mittagszeit,

wie Glocken, die in einem Ballett über die Dächer rollen,
Mittagszeit. Wie eine Handvoll Murmeln,
gesammelte Erinnerungen an den Himmel,

am Rand des Schornsteins
auf einem lockeren Dachziegel
im Nest eines Vogels

hochstehende Sonne, mir ist klar, dass in dieser Wärme
der Tag noch keine Linderung erfährt. Mittagszeit
liegt wie ein Schleier über einem großen Baukasten,

Mittagszeit. Bedeckt die Café-Terrassen, die Brücke, die
von tausend gewölbten Zelten gestützt wird,
bleibt unsichtbar in ihrem Schweigen,

irgendwo anders wird ein Kind mit gebrochenen Händen
an der Küste angespült, oder gehen siebzig
luftdicht verpackte Männer in Flammen auf,

irgendwo anders rollen Murmeln von einem Dach,
wird jede Schramme liebevoll versorgt,
oder spielt eine Dickkopfmöwe

mit dem Ab- und Zunehmen ihres Schattens.